Durch dick und dünn, und dann?

Heute schreibe ich mir einfach mal was von der Seele…

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass unsere Freundschaft nach 24 Jahren einmal verloren gehen würde. Haben wir uns doch nur ein Stück des Weges begleitet?

Unsere Leben in dieser Zeit hatten sehr viele Parallelen. Wir machten auf ähnliche Art und Weise Schicksale durch, als wären sie ein einziges.

Durch den Einzug in meine damalige Wohnung lernte ich sie kennen, und es entwickelte sich Stück für Stück eine tiefe Freundschaft. Wir wohnten schließlich Tür an Tür.

Und so begannen sie, die Parallelen…

Zeitgleich teilten wir die Freude über unsere Schwangerschaften.

Ihre wie meine dann heranwachsende Tochter raubten ihr wie mir so manchen Nerv, da sie sich gegenseitig nicht so toll fanden.

Nach und nach vertrauten wir uns so ziemlich alles an, was uns bewegte. Jedenfalls gehe ich davon aus. Somit erfuhr ich auch, was der Grund für ihre Depressionen und Angstzustände waren.

Irgendwann zog sie um, und durch äußere Umstände, die sie beeinflussten, brach sie zum ersten mal den Kontakt mit mir ab. Ich ließ sie, da ich wusste warum, aber ich war enttäuscht und traurig. Nach einem Jahr erhielt ich einen sehr langen, schön geschriebenen Brief von ihr. Natürlich hatte ich mich darüber gefreut. Doch zugleich war ich auch unsicher, ob ich mich noch einmal auf sie einlassen sollte. Ich wagte es und unsere Freundschaft erblühte wieder.

Nun kam es, dass mein damaliger Mann wieder in unsere Heimatstadt versetzt wurde. Darüber freute ich mich sehr, und doch ließ es einen Schleier von Traurigkeit in mir aufkommen , da es auch eine Trennung für mich und meine Freundin bedeutete. Ach, dachte ich, von der Ostsee zur Westküste ist es doch nur ein Katzensprung; gerade mal zwei Stunden Autofahrt… Was ist das schon? Das wird unsere Freundschaft aushalten. Der Abschied war schwer, doch unsere Wiedersehensfreude um so größer.

Wir halfen uns gegenseitig, als unsere Partnerschaften auseinander gingen. Wir weinten zusammen, als unsere Töchter die Diagnose Krebs bekamen, und tanzten gemeinsam vor Freude darüber, dass beide überlebt haben.

Auch in der Liebe fand sie nun, wie dann auch ich, das große Glück.

Doch dann kam es erneut zum Bruch. Was war der Auslöser?

Hatte ich zu wenig Zeit für sie? Natürlich war das ein Problem: Alleinerziehend…, meine Umschulung…, neuer Job mit mehr Stunden…, die Partnerschaft…, Schwierigkeiten wegen der Hochbegabung meines Sohnes…, Sterbebegleitung bei meinem Stiefvater…, Mama sehr krank…, Papa sehr krank…, meine Freunde vor Ort…, und schließlich braucht meine Tochter mich…

Ich habe mir nicht mehr so viel Zeit für meine Freundin nehmen können, wie sie es sich wünschte. Es waren größere Abstände des Telefonierens. Ich fuhr nun mit meiner eigenen kleinen Familie in den Urlaub. Und an den Wochenenden, als ich nicht arbeiten ging, brauchte ich die Zeit für meine Familie – und auch für mich selbst, zum „Runterfahren“.

Nach einem turbulentem Jahr auch bei ihr, war mir klar, dass sie mit mir „Cut machen“ würde. Und diesen Schnitt machte sie nicht nur mit mir. Es machte den Eindruck auf mich wie ein Abschließen mit den Menschen, die sie ein langes Stück ihres Weges begleitet haben. Mit derjenigen Vergangenheit brechen, die irgendwie mit ihren Ängsten und Depressionen zu tun hatte. Also auch mit mir, die ich, wie es mir möglich war, in diesen Zeiten an ihrer Seite stand.

Nach etwas über einem Jahr schrieb ich ihr einen kleinen Vierzeiler. Keine Vorwürfe, eben nur, dass ich ihr nicht so die Freundin sein kann, die sie sich wünscht. Wir telefonierten wieder miteinander und es war wie immer … dachte ich. Wie schön wäre es doch, wenn wir uns bald sehen würden, kam von ihr. Ja, die Überraschung folgte dann prompt…

Lasst mich mal überlegen: Seit 1999 lebe ich wieder an der Westküste. In dieserZeit war sie, wenn es hochkommt, vier- bis fünfmal bei mir. Bedingt durch ihre Krankheit nicht öfter. War ja nie ein Problem für mich. Nun, siehe da, über WhatsApp-Status wurde ich eines Besseren belehrt. Es fand ein überregional bekanntes Fest in meinem Wohnort statt, und über ihren Status sah ich Bilder davon. Völlig verdattert schrieb ich ihr (mit Smileys), ob sie hier im Lande sei. Ja, mit Freunden mache sie hier ein paar Tage Urlaub, kam als Antwort (ohne Smileys, und genau dies kleine Detail fehlte mir und machte mich stutzig). Kein Wort davon, dass wir uns treffen könnten.

Ich weiß nicht, was in ihr vorging, da ich nicht danach gefragt habe. Nach ihrer nüchternen Antwort hielt ich es nicht für angebracht, nochmals zurück zu schreiben. Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr.

An ihrer Stelle hätte ich wohl anders reagiert und gehandelt. Ich hätte sie vorher informiert darüber, dass ich in ihrem Wohnort mit Freunden Urlaub mache und ob wir uns eventuell sehen könnten, was mich freuen würde.

Vielleicht hat sie sich in dieser Situation eine andere oder weitere Reaktion von mir gewünscht. Ich weiß es nicht. Oder war es reine Boshaftigkeit von ihr?

Ich habe ihre Telefonnummer mittlerweile gelöscht und möchte auch in Zukunft keinen weiteren Kontakt mehr. Wir haben uns jeder für sich weiterentwickelt. Manchmal passt es einfach auch nicht mehr. Dennoch bin dankbar, dass wir uns kennenlernen durften und für die gemeinsame Zeit. Ihren Wunsch, einzig und allein ihre beste Freundin zu sein, habe ich nicht erfüllen können. Letztendlich ist es daran gescheitert.

Das Leben entscheidet, wer in dein Leben tritt.
Aber du entscheidest, wer bleibt.

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Dankbare Erinnerung

Glaube

Kirche und Gott – das war nichts für Peter. Und dennoch tat sich im letzten Jahr seines Daseins etwas Neues auf. Die Offenheit meiner Mutter in Glaubensdingen war daran nicht ganz unschuldig. Und sie wussten, dass er sterben wird…

Gerade diese Zeilen aus dem 1. Korintherbrief, die sie in einem kleinen blauen Heftchen entdeckten, hatten es Peter so angetan:

Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Ein Funke des Glaubens wurde entzündet…

Hoffnung

Vor der Erkrankung darauf, bei Renteneintritt mit meiner Mutter zu verreisen. Darauf, sie zu heiraten.

Während der Erkrankung darauf, wieder richtig laufen zu können. Darauf, für meine Mutter weiter zu leben, damit sie nie wieder Sonntags alleine ist.

Zum Schluss darauf, nicht im Winter zu sterben, um nicht in kalter Erde begraben zu werden… Wenigstens diese Hoffnung erfüllte sich für ihn.

Liebe

Peter hörte oft das Lied „Schritte von Nebenan“. Sieben Jahre wohnten er und meine Mutter als Nachbarn Tür an Tür. Schritte von Nebenan: das war sie für Peter. „Mach doch mal was“, sagte ich zu meiner Mutter. Endlich. Sieben Jahre hatte es gedauert, bis sie zusammenkamen. Nur drei Jahre sollten sie gemeinsam erleben…

Vielleicht wächst die Tiefe einer Liebe mit der Zahl der Lebensjahre. Sie waren beide über sechzig,… Auf jeden Fall hängt die Tiefe der Liebe von der Reife des Menschen ab. Und ihre Liebe war so tief.

Liebe ist das größte Geschenk. Selbst dann, wenn man sie bei anderen erfährt. So wie ich sie bei Peter und meiner Mutter erfahren durfte.

Jeder sollte das erleben dürfen.

Danke, Peter.
Danke, Mama.

Und plötzlich haut’s dich um

Da dachte ich, fest mit beiden Beinen mitten im Leben zu stehen, durch das, was ich erlebt und durchgemacht habe, selbstbewusst zu sein, wenn nötig auch mal standhaft und wehrhaft sein zu können, … naja, eben durch nichts so schnell aus meiner inneren Mitte gerissen zu werden. Ich glaubte, mich rechtzeitig von Menschen distanzieren zu können, die sich selber größer machen wollen, dadurch, dass sie andere klein machen.

Und plötzlich haut’s mich um.l3

Eigentlich weiß ich gar nicht, wie mir geschah… Stück für Stück nahm sie mir binnen kurzer Zeit, was mich ausmachte, oder auszumachen schien: Meine Selbstsicherheit, mein Selbstbewusstsein, meine Wahrnehmung, … Und schließlich ließ sie mich noch glauben, sie spiegele mich nur.

Am Ende war ich nur noch fertig, fühlte mich hilflos, eingemauert, und traurig. Ich verstand und verstehe noch immer nicht, wie das passieren konnte. Wie war es ihr gelungen, mich so zu manipulieren und herunter zu ziehen?

Tiefer schauen – das gelang mir erst nach einer Weile. Mit Hilfe mir nahestehender, lieber Menschen, die mich wieder Stück für Stück in meine innere Mitte zurückfinden ließen, erkannte ich, was wirklich war. Nicht sie spiegelte meine Sicherheit, sondern am Ende war ich das Spiegelbild ihrer Unsicherheit.

Was mich erstaunte:

Egal, wie fest du im Leben zu stehen glaubst, du kannst nie ganz sicher sein, dass es nicht doch jemandem gelingt, dich mit wenig Aufwand plötzlich umzuhauen.

Aus meiner Sicht

„Kann man in einem Menschen lesen wie in einem Buch?“ fragt mimeiso2 mich.
Sind Menschen denn nicht manchmal wie Bücher?

Manche sind informativ wie ein Tageblatt, andere herzig wie ein Heimatroman.
Manche sind spannend wie ein Krimi, andere gruselig wie eine Horrorgeschichte.
Manche sind langweilig wie ein Telefonbuch, andere lustig wie ein Witzebuch.
Einige sind lecker wie ein Kochbuch, ein paar schön wie ein Bildband.
Einige sind kompliziert wie ein Mathebuch, ein paar interessant wie eine Abenteuertrilogie.
Und dann sind da noch die Paperblanks…

So oder so: Sollte man nicht jedes Buch wertschätzen?

Masken fallen, Masken bleiben

Masken gehören zu den Rollen, die wir in unserem Leben zu spielen haben, als Mutter, als Richter, als Geliebte, als Chef, … Und sie sind gleichzeitig unser Selbstschutz. Das Thema ‚Masken‘ ist ein großer Komplex. Vereinfachende Aussagen sind wohl gar nicht möglich…

Maske

Es ist doch so: Man lernt sich kennen, ist sich sympathisch, entwickelt Vertrauen. Dadurch zieht man nach und nach seine Maske herunter… Doch dann passiert es plötzlich, dass eine von den beiden Personen die Maske wieder aufsetzt. Der andere sollte nicht noch tiefer schauen dürfen, auf das, was da hinter der Maske erkennbar wurde…

Und das war zum einen die Sensibilität, die Weichheit, die ohne Maske plötzlich ungeschützt und verletzbar war. Aber auch die Schwäche hinter einer Maske der Stärke, das fehlende Selbstbewusstsein hinter einer Maske der Überlegenheit, die Kleinheit hinter einer Maske des Kleinmachens, …

Es hätte der Beginn des echten Näherkommens sein können. Doch offenbar durfte genau das nicht sein, das tiefe Hineinschauen in die Seele des anderen…

Das ist nicht nur traurig für den, der solche Masken in einer Beziehung gebraucht, die auf Ehrlichkeit hofft, sondern auch schrecklich für den, der plötzlich wieder in diese Maske blicken muss… Doch die Maske schützt jetzt nicht mehr. Das weiß nun der Maskierte. Eine Trennung ist unausweichlich.

In einer Freundschaft wird eine abgezogene Maske nicht wieder passen.