Und plötzlich haut’s dich um

Da dachte ich, fest mit beiden Beinen mitten im Leben zu stehen, durch das, was ich erlebt und durchgemacht habe, selbstbewusst zu sein, wenn nötig auch mal standhaft und wehrhaft sein zu können, … naja, eben durch nichts so schnell aus meiner inneren Mitte gerissen zu werden. Ich glaubte, mich rechtzeitig von Menschen distanzieren zu können, die sich selber größer machen wollen, dadurch, dass sie andere klein machen.

Und plötzlich haut’s mich um.l3

Eigentlich weiß ich gar nicht, wie mir geschah… Stück für Stück nahm sie mir binnen kurzer Zeit, was mich ausmachte, oder auszumachen schien: Meine Selbstsicherheit, mein Selbstbewusstsein, meine Wahrnehmung, … Und schließlich ließ sie mich noch glauben, sie spiegele mich nur.

Am Ende war ich nur noch fertig, fühlte mich hilflos, eingemauert, und traurig. Ich verstand und verstehe noch immer nicht, wie das passieren konnte. Wie war es ihr gelungen, mich so zu manipulieren und herunter zu ziehen?

Tiefer schauen – das gelang mir erst nach einer Weile. Mit Hilfe mir nahestehender, lieber Menschen, die mich wieder Stück für Stück in meine innere Mitte zurückfinden ließen, erkannte ich, was wirklich war. Nicht sie spiegelte meine Sicherheit, sondern am Ende war ich das Spiegelbild ihrer Unsicherheit.

Was mich erstaunte:

Egal, wie fest du im Leben zu stehen glaubst, du kannst nie ganz sicher sein, dass es nicht doch jemandem gelingt, dich mit wenig Aufwand plötzlich umzuhauen.

Aus meiner Sicht

„Kann man in einem Menschen lesen wie in einem Buch?“ fragt mimeiso2 mich.
Sind Menschen denn nicht manchmal wie Bücher?

Manche sind informativ wie ein Tageblatt, andere herzig wie ein Heimatroman.
Manche sind spannend wie ein Krimi, andere gruselig wie eine Horrorgeschichte.
Manche sind langweilig wie ein Telefonbuch, andere lustig wie ein Witzebuch.
Einige sind lecker wie ein Kochbuch, ein paar schön wie ein Bildband.
Einige sind kompliziert wie ein Mathebuch, ein paar interessant wie eine Abenteuertrilogie.
Und dann sind da noch die Paperblanks…

So oder so: Sollte man nicht jedes Buch wertschätzen?

Masken fallen, Masken bleiben

Masken gehören zu den Rollen, die wir in unserem Leben zu spielen haben, als Mutter, als Richter, als Geliebte, als Chef, … Und sie sind gleichzeitig unser Selbstschutz. Das Thema ‚Masken‘ ist ein großer Komplex. Vereinfachende Aussagen sind wohl gar nicht möglich…

Maske

Es ist doch so: Man lernt sich kennen, ist sich sympathisch, entwickelt Vertrauen. Dadurch zieht man nach und nach seine Maske herunter… Doch dann passiert es plötzlich, dass eine von den beiden Personen die Maske wieder aufsetzt. Der andere sollte nicht noch tiefer schauen dürfen, auf das, was da hinter der Maske erkennbar wurde…

Und das war zum einen die Sensibilität, die Weichheit, die ohne Maske plötzlich ungeschützt und verletzbar war. Aber auch die Schwäche hinter einer Maske der Stärke, das fehlende Selbstbewusstsein hinter einer Maske der Überlegenheit, die Kleinheit hinter einer Maske des Kleinmachens, …

Es hätte der Beginn des echten Näherkommens sein können. Doch offenbar durfte genau das nicht sein, das tiefe Hineinschauen in die Seele des anderen…

Das ist nicht nur traurig für den, der solche Masken in einer Beziehung gebraucht, die auf Ehrlichkeit hofft, sondern auch schrecklich für den, der plötzlich wieder in diese Maske blicken muss… Doch die Maske schützt jetzt nicht mehr. Das weiß nun der Maskierte. Eine Trennung ist unausweichlich.

In einer Freundschaft wird eine abgezogene Maske nicht wieder passen.

Fragen über Fragen… (1)

trauen… sich trauen… vertrauen… sich trauen lassen… misstrauen… Zutrauen…

Wie viele Worte um „trauen“ gibt es eigentlich? Geht es irgendwie dabei immer um den Kern von „Vertrauen“?

Wie viele Gedanken kann man sich eigentlich machen, um das Wort „Vertrauen“?

Und hat das was zu tun mit „Tiefer Schauen“? Nur, weil sich’s reimt…

 

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Warum „Tiefer Schauen“?

Eine Freundin sagte mal zu mir: „Du schaust mir zu sehr in die Seele. Davor muss ich mich schützen.“

Bis dahin war das alles für mich ganz normal.

Keine Angst, ich bin keine Hellseherin, und pflücke auch niemanden auseinander. Sondern ein Mensch, der sich für Menschen interessiert. Wenn ich einem Menschen in die Augen schaue, dann rattert mein Gehirn. Ich möchte wissen: Was ist das für ein Mensch?

Natürlich geht das den meisten Menschen so. Aber wenn es stimmt, was manche sagen, gehöre ich zu den Menschen, die noch etwas tiefer schauen, als es die meisten Menschen tun. Das war schon bei meiner Oma so, und ebenso bei meiner Mutter. Manchmal höre ich: „Du liest in mir wie in einem offenen Buch.“ Vielleicht liegt es auch nur daran, dass mich die Biografien anderer Menschen sehr faszinieren.

Seit dem Bruch mit meiner Freundin hängen mir diese Worte bis heute nach. Was ich zunächst als negativ empfand, konnte ich nach und nach ins Positive umkehren. Aus meinem unbewussten und selbstverständlichen „ganz normal“ ist ein bewusster Umgang geworden.

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Schaut tief. Schaut weit. Schaut Meer und mehr… in diesem Blog.

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